Ein Reisebericht

Vor ziemlich genau einem Jahr starteten wir mit den Vorbereitungen der Reise. Jetzt ist das Buch fertig. Alles, was wir in den drei Monaten zwischen Orient und Okzident erlebt haben, könnt Ihr nun auch auf Papier nachlesen. Bestellen könnt ihr auf diesem Link.

Viel Spaß!


Around a year ago we started preparing for our trip. Now the book is ready. Everything we experienced in those three months between orient and occident can now be read also on paper. You can order your copy here, only in German for now.

Enjoy!

Cover

Looking back…

Nach mittlerweile 4 Monaten haben wir es endlich geschafft, einen kleinen Film über die Reise zusammenzuschneiden. Viel Spaß – auf dass die ein oder andere Erinnerung geweckt wird!


After 4 months we have finally found the time to produce a little after-movie about the journey. Have fun – may it bring back one or another memory!

Final Progress Report

Der Kreis hat sich geschlossen. Nach 3 Monaten, 20 Ländern und 22.000 Kilometern sind wir nun endlich wieder zu Hause. Auf insgesamt 90 Tage gesehen macht das durchschnittlich 244 Kilometer pro Tag, auf die 51 Fahrtage gesehen sogar 431 Kilometer pro Tag. Die ursprünglich geplanten 16.000 Kilometer haben wir deutlich überzogen. Wir sind nicht nur im Iran viel tiefer in den Süden, sondern auch mit Kirgistan viel weiter in den Osten gefahren als ursprünglich geplant. Dank Schengen haben wir insgesamt nur für 4 Länder Visa beantragen müssen. Pro Maschine haben wir 2 Sätze Reifen und etwa 1.100 Liter Benzin verfahren. Mit einer kaputten Kupplung und einem geplatzten Reifen sind wir erstaunlich gut davon gekommen. 12 Nächte haben wir im Zelt oder Biwak verbracht, deutlich weniger als gedacht. Das liegt daran, dass wir mehr Zeit in den Städten als auf dem Land verbracht haben.

31 Blogbeiträge summieren sich auf 38.000 Wörter und stellen jede unserer Bachelor- und Master-Arbeiten in den Schatten. 8.500 Klicks aus der ganzen Welt, über 90 täglich, waren die Resonanz. Vielen Dank für dass Ihr uns mit einem so großen Interesse mitverfolgt und mitgefiebert habt! Eure Nachrichten und Kommentare haben uns immer wieder motiviert noch ein Stückchen weiter zu fahren und genügend Zeit für den Blog zu finden. Danke, dass Ihr dabei wart! Fortsetzung folgt!

Caspar & Jacob Hoensbroech


The circle closes. After 3 months, 20 countries and 22.000 kilometres we are finally back home. Spread on all 90 days, this is a daily average of 244 kilometres, spread on the 51 days of actual driving, the daily average is even 431 kilometres. We have significantly exceeded the originally planned 16.000 kilometres. On the one hand we drove much farther south in Iran, on the other hand by including Kirgistan we drove much farther east than originally planned. Thanks to the Schengen Agreement we only had to apply for 4 visas. For each motorcycle we have used 2 pairs of tyres and about 1.100 litres petrol. With a broken clutch and one burst tyre we escaped relatively lightly. We spent 12 nights in the tent or the bivouac sacks, less than thought. That is due to the fact that we spent more time in the cities than on the countryside.

31 reports sum up to roughly 38.000 words, outshining every of our bachelor or master theses. The resonance have been 8.500 hits from all around the world, more than 90 hits daily. Thank you so much for following us with such a big interest! Your messages and comments have always motivated us to drive a little further and to find enough time to update our blog. Thank you for being part of our trip! To be continued!

Caspar & Jacob Hoensbroech

Planroute / Route progress
Planroute / Route progress

Home Stretch

23. August 2015 – Gegen Mittag brechen wir auf Richtung Berlin. Schnell erreichen wir die Grenze, die kurz hinter Stettin liegt. Mit einem Hochgefühl endlich wieder Deutschland erreicht zu haben, jagen wir die Maschinen über die Autobahn. Als wir Berlin erreichen, fahren wir zu allererst zum Brandenburger Tor für den obligatorischen Schnappschuss. Uns ist der lange Weg bis hierhin wohl anzusehen, schnell sammeln sich Touristen um uns und fragen interessiert nach unserer Reise. Nur einer erkennt ganz richtig, dass es von Köln nach Berlin doch nicht so weit wäre. Dann fahren wir Richtung Neukölln zu unserer lieben Cousine Felicitas. Tatsächlich steht sie schon laut jubelnd auf dem Balkon, der GPS-Tracker hat uns bereits angekündigt. Nachdem die Motorräder entladen sind und die Waschmaschine läuft, verbringen wir einen entspannten Abend auf dem Tempelhofer Feld. Auf dem ehemaligen Flughafengelände befinden sich mittlerweile Biergärten und Burgerbuden, welche das hippe Berlin auf die Rollfelder ziehen.

Brandenburger Tor / Brandenburg Gate
Brandenburger Tor / Brandenburg Gate

24. August 2015 – Wir schlafen lange aus, während Fee bereits in der Uni-Bibliothek sitzt und arbeitet. Nachmittags treffen wir uns zum Mittagessen und schlendern vom Brandenburger Tor über den Reichstag bis zum Checkpoint Charly. Abends gibt es endlich wieder eine richtige Brotzeit und wir sitzen noch lange zusammen in der Küche und erzählen von den letzten drei Monaten.

Reichstag
Reichstag

25. August 2015 – Wieder schlafen wir lange aus, während Fee schon früh morgens in der Bibliothek verschwindet. Abends treffen wir Ferdi und Otto, zwei Freunde von Jacob aus Maastrichter Zeiten. Bei den ersten Erzählungen unserer Reise liegen Iran und Zentralasien gefühlt schon wieder weit zurück.

Gemütliche Runde / Cosy round
Gemütliche Runde / Cosy round

26. August 2015 – Wir verlassen Berlin und machen uns auf den Weg ins Münsterland für einen letzten Zwischenstopp auf dieser Reise. Die größte Tagesetappe seit St. Petersburg nehmen wir auf der Autobahn in Angriff. Am späten Nachmittag erreichen wir Senden, wo Camilla und Vincenz uns in großer Runde empfangen. Der Spätsommer erlaubt es gerade noch draußen zu grillen und so verbringen wir einen gemütlichen Abend im Garten. Sogar ein Fässchen Kölsch hat den Weg ins Münsterland gefunden, wir fühlen uns fast wie zu Hause.

Senden
Senden

27. August 2015 – Heute beginnt der letzte Tag unserer Reise. Der Himmel ist grau und es regnet seit dem frühen Morgen. Nach einem langen Frühstück packen wir unsere Motorräder und machen uns auf den Weg, die letzten verbleibenden Kilometer bis nach Köln hinter uns zu bringen. Der Regen nimmt zu und es wird immer kälter. Trotz Regenschutz drückt sich das Wasser irgendwann durch die Anzüge, rinnt entlang der Ärmel und Hosenbeine und füllt uns Handschuhe und Stiefel. Vor Köln geraten wir in einen Stau. Bibbernd und im Schritttempo erreichen wir Köln, so haben wir uns unsere Rückkehr nicht vorgestellt. Nach so langer Zeit erreichen wir endlich wieder den Frohnhof, wo eine überglückliche Mami auf ihre Jungs wartet. Schnell springen wir unter die heiße Dusche. Abends gibt es mit Familie und Freunden ein Welcome-back Abendessen. Irgendwann spüren wir die Müdigkeit und Anstrengung der letzten Monate in unseren Knochen und freuen uns endlich wieder auf unsere eigenen Betten.


23rd August 2015 – In the morning we start out and head for Berlin. We quickly reach the German border that lies shortly behind Szczecin. With a feeling of elation to finally have reached Germany we chase our bikes down the highways. On arrival in Berlin we first ride to the Brandenburg Gate for an obligatory snapshot. People must see the long way behind us, tourists quickly gather around us and interestedly ask about our trip. Only one of them quite rightly recognizes that it’s not that far from Cologne to Berlin. Then we drive to Neukölln, to our lovely cousin Felicitas. Indeed, she awaits us cheering on her balcony, the GPS tracker already announced us. After unpacking the motorbikes and running the firs washing machine, we spend a relaxed evening on the field of Tempelhof. Beer gardens and burger joints by now can be found on the former airport site, attracting hip Berlin onto the airfields.

Tempelhofer Feld / Airfield Tempelhof
Tempelhofer Feld / Airfield Tempelhof

24th August 2015 – We have a long sleep in while Fee already works and writes in the university’s library. In the afternoon we meet for lunch and walk from the Brandenburg Gate to the Reichstag and Checkpoint Charly. In the evening we finally have a proper Brotzeit and we sit together in the kitchen until late, telling stories about the last three months.

Berlin
Berlin

25th August 2015 – Again we have a long sleep in while Fee disappears early in the morning into the university’s library. In the evening we meet Ferdi and Otto, two friends of Jacob from Maastricht times. Telling stories from our trip, we feel that Iran and Central Asia lie far back.

Mitternachtssnack / Late night snack
Mitternachtssnack / Late night snack

26th August 2015 – We leave Berlin and make our way into the Münsterland for a final stopover on our journey. We tackle the longest day trip since St. Petersburg on the highway. In the late afternoon we reach Senden, where Camilla and Vincenz welcome us. Late summer allows us to barbecue outside and so we spend a cosy evening in the garden. Even a small beer barrel of Kölsch found its way into the Münsterland, where we almost feel at home.

Senden
Senden

27th August 2015 – Today the last day of our trip begins. The sky is grey and it rains since early morning. After a long breakfast we pack our motorbikes and make our way to leave behind the last kilometres to Cologne. The rain intensifies and it becomes colder. Despite rain protection, the water slowly finds its way into our suits, trickles through sleeves and trouser legs and fills gloves and boots. In front of Cologne we get into a traffic jam. Shivering and in walking speed we reach Cologne, somehow we imagined our return differently. After such a long time we finally reach Frohnhof, where an overjoyed Mami waits for her boys. We quickly take hot showers. In the evening, we have a little welcome back dinner with friends and family. At some point we feel the tiredness and exertion in our bones and look forward to finally sleeping in our own beds again.

Lakes and Alleys

19. August 2015 – Am späten Morgen packen wir die Motorräder und brechen auf. Heutiges Tagesziel ist die masurische Seenplatte im ehemaligen Ostpreussen, heute Polen. Wir suchen uns für die übersichtliche Etappe schöne Routen aus, die uns auf geschwungenen Landstraßen durch dichte Wälder und sanfte Hügel führen. Schnell erreichen wir die Grenze Polens und lassen das Baltikum hinter uns. Gegen Mittag halten wir an einer Gaststätte und kriegen die ersten Wiener Schnitzel seit wir damals mit Hänschen die Turracherhöhe in Österreich überquert haben. Zwischen den Bäumen blitzen die ersten Seen auf und kündigen uns die masurische Seenplatte an. Wir steuern Lötzen an und finden einen schönen Campingplatz mit kleinem Strand direkt am Löwentinsee. Dort wollen wir Quartier für die Nacht beziehen. Wahrscheinlich zum letzten Mal auf dieser Reise bauen wir das Zelt auf und holen den Campingkocher heraus. Wir verwöhnen uns mit Spaghetti und Tomatensoße bei Radler am Strand. Als die Nacht anbricht wird es erstaunlich kühl und wir verkriechen uns tief in den Schlafsäcken.

Dratzigsee / Drawsko Lake
Löwentinsee / Lake Löwentin

20. August 2015 – Früh am morgen machen wir unsere Maschinen fertig und fahren los. Über gewundene Landstraßen und durch alte Alleen schlängeln wir uns im Schatten der Birken und Eichen vorbei an wunderschönen Dörfern und Bauernhöfen. Dann erreichen wir das Führerhauptquartier. Dunkel und bedrohlich ragen die Ruinen der Wolfsschanze vor uns empor. Der geborstene, meterdicke Stahlbeton der einzelnen Gebäude und Bunker steht oftmals in keinem Verhältnis zu dem im inneren gebotenen Raum. Als die rote Armee immer näher rückte, hat Die Wehrmacht selber die meisten Bunker gesprengt, gekämpft wurde dort nie. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich die Natur langsam das Gebiet zurückerobert, Bäume und Sträucher bewachsen Wände und Decken der Gebäude. Wir sehen auch jenen tragischen Ort, an dem am 20. Juli 1944 das von Stauffenberg geplante Attentat auf Hitler misslang. Nachdem wir uns die Anlage angeschaut haben, fahren wir weiter und erreichen am Abend Danzig.

Führerhauptquartier / Führer Headquarters
Führerhauptquartier / Führer Headquarters
Ausguck / Crow's nest
Ausguck / Crow’s nest

21. August 2015 – Mit Danzig führen wir unsere Reise durch die ehemaligen Hansestädte fort. Auch hier öffnet sich uns eine wunderschöne Altstadt, die sich bis zur Martwa erhebt. Die Langgasse führt uns zwischen bunten, gut restaurierten Häusern quer durch die Altstadt. An ihrem Ende liegt der lange Markt, welcher seit dem 17. Jahrhundert besteht. Als wir die Martwa erreichen, folgen wir ihr ein Stück, um über die Frauengasse den Bogen durch die Altstadt zu schließen. Sie ist mindestens genauso schön wie die Langgasse, jedoch deutlich schmaler und ruhiger. So bleiben wir in einem der vielen Cafés hängen, die sich auf kleinen vorgesetzten Terrassen befinden, und genießen die Atmosphäre der Stadt. Am Ende der Straße steht schon die Marienkirche, deren Kirchturm aus Ziegelsteinen die Altstadt hoch überragt. Für ein paar Zloty kann man die 400 Stufen hinaufsteigen und die Stadt von oben bestaunen. Abends kehren wir zurück in die Langgasse und finden ein nettes polnisches Restaurant.

Danzig / Gdansk
Danzig / Gdansk

22. Augst 2015 – Früh am morgen beladen wir unsere Motorräder und brechen auf Richtung Stettin. Wir verlassen jedoch die Ostseeküste und suchen uns schöne Strecken abseits der Hauptverkehrsruten. So fahren wir durch die breiten und flachen Täler Pommerns. Die engen und einsamen Straßen führen uns wiederum durch dichte Wälder und entlang alter Alleen, welche über die Jahre zu Tunneln zusammengewachsen sind. Mittags halten wir am Dratzigsee, größter See der Pommerschen Seenplatte, welcher mit seinen vielen Segelbooten und Anlegestellen ein wenig an den Bodensee erinnert. Von dort ist es bis Stettin nicht mehr weit. Dort angekommen schauen wir uns die Altstadt an. Wir laufen über die Hakenterrasse, eine beeindruckende 500 Meter lange aus Sandstein gemauerte Terrasse. Mittig ist eine Plattform, flankiert von zwei Pavillons, unter welcher sich eine Springbrunnengrotte öffnet. Oberhalb der Terrasse erhebt sich das Polnische Nationalmuseum, rechts daneben das ursprüngliche Regierungsgebäude der Provinz Pommern. Abends finden wir auf dem Heumarkt ein Restaurant und beobachten von dort das Treiben in der Altstadt.

Polnisches Nationalmuseum / Polish national museum
Polnisches Nationalmuseum / Polish national museum

19th August 2015 – In the late morning we pack our bikes and hit the road. Today’s destination is the Masuria lake district in former eastern Prussia, today Poland. As the route is not too long we take beautiful roads, which take us on curvy roads through dense forests and gentle hills. We quickly reach the border to Poland and leave behind the Baltic States. At noon we stop at a restaurant for the first Wiener Schnitzel since crossing the height of Turrach in Austria with Hänschen. The first lakes sparkle between the trees and announce the Masuria lake district. We head to Lötzen and find a nice camping site with a little beach right at lake Löwentin. There we want to take quarter for the night. Probably for a last time on this journey we set up our tent and take out the camping stove. We treat ourselves with spaghetti and tomato sauce, having radler beer at the beach. As the night falls it becomes surprisingly chilly and we crouch deep into our sleeping bags.

Dratzigsee / Drawsko Lake
Löwentinsee / Lake Löwentin

20th August 2015 – Early in the morning we get our bikes ready und start off driving. On curvy roads and through old alleys we wind our way in the shades of birch and oak trees, passing beautiful villages and farms. Then we reach Führer Headquarters. The ruins of the Wolf’s lair rise dark and threatening in front of us. The cracked and metres thick reinforced concrete of the individual buildings and bunkers often stands in no relation to the room offered inside. When the Red Army advanced closer, the Wehrmacht itself blew up most of the bunkers, no actual fighting took place at the scenery. Over the last decades, nature slowly regained the area, trees and bushes overgrow walls and ceilings of the buildings. We also see the tragic place, where on the 20th July 1944 Stauffenberg’s assassination attempt on Hitler failed. After visiting this place, we continue driving and reach Danzig in the evening.

Führerhauptquartier / Führer Headquarters
Führerhauptquartier / Führer Headquarters
Stahlbeton / Reinforced Concrete
Stahlbeton / Reinforced Concrete

21st August 2015 – With Gdansk we continue our journey through the former hanseatic cities. Here again a beautiful old city opens up in front of us and reaches out to the river Martwa. Dugla street takes us through colourful, well renovated houses right across the old city. At the end of it lies the long market that exists since the 17th century. When we reach the Martwa we walk along it for a while to catch Mariacka street and close the round through the old city. Mariacka street is equally as pretty as Dugla street, however a lot more narrow and quiet. We stop in one of the many cafes, that are located on small advancing terraces, and enjoy the atmosphere of the city. At the end of the street is St. Mary’s Church, whose church tower of red bricks reaches high above the old city. For a few zloty one can climb the 400 stairs and marvel the city from above. In the evening we return to Dugla street and find a nice polish restaurant.

Danzig / Gdansk
Danzig / Gdansk

22nd August 2015 – Early in the morning we pack our bikes and head for Stettin. We leave the Baltic coast to take nice roads off the main streets. We drive through the wide and flat valleys of Pomerania. The narrow and solitary roads again lead us through dense woods and along old alleys, which have over the years grown together to tunnels. At noon we stop at Drawsko Lake, largest lake of the Pomeranian lake area. Sailing ships and piers remind us of Lake Constance. From there it is not far to Stettin. Arriving, we take a look at the old city. We cross the Haken terrace, an impressive 500 metre long terrace made of sandstone. Centred is a platform, flanked by two pavilions, under which a grotto with water fountains opens up. Above the terrace rises the Polish national museum, with the original government building of the province Pomerania to its right. In the evening we find a restaurant on the old hay market and watch the hustle of the town.

Heumarkt / Old hay market
Heumarkt / Old hay market

Baltikum, haut dich um!

14. August 2015 – Heute schauen wir uns ein bisschen in Tallinn um. Tallinn ist eine im Frühmittelalter gegründete Stadt, welche heute noch einen mittelalterlichen Charme versprüht. Die ehemalige Stadtmauer mit ihren Eingangstoren liegt mittlerweile in der Fußgängerzone im Zentrum der Stadt. Viele alte Häuser sind erhalten geblieben und bilden kleine Gassen, welche hoch zum Domberg führen. Auf dem Domberg steht die russisch-orthodoxe Alexander-Newski Kathedrale, ein Überbleibsel der früheren Zugehörigkeit zum Zarenreich. Wir finden ein Restaurant, welches uns direkt in das Mittelalter katapultiert. Verkleidete Kellner servieren Bier in Tonkrügen und fürstlichen Wildbraten. Danach geht es zurück ins Hostel und früh ins Bett.

Tallinn Altstadt / Tallinn old city
Tallinn Altstadt / Tallinn old city

15. August 2015 – Trotz überschaubarer Strecke begeben wir uns heute früh auf den Weg nach Riga. Tallinn scheint noch zu schlafen, als wir die Stadt verlassen. Im Morgendunst führt uns eine Landstraße durch kleine Laubwälder und grüne Wiesen stetig Richtung Süden. Nach etwa 130 Kilometern machen wir eine Pause in Pärnu, einer Stadt direkt am Baltischen Meer. Hier werden zur Zeit die ORC Europameisterschaft im Segeln ausgetragen. Wir betreten das Segelgelände und setzen uns in eins der Cafés, die hier aufgebaut sind. Dann kommt uns auch schon ein wie immer breit grinsender Niko entgegen, Freund von Caspar aus St. Gallen. Er hat unsere Reise verfolgt und uns rechtzeitig abgefangen, ehe wir Estland wieder verlassen. Wir verbringen einen gemütlichen Vormittag mitten in der Vorbereitung der nächsten Regatta. Dann bricht Niko auf um das deutsche Team zu komplettieren und auch wir setzen unsere Fahrt fort. Schnell erreichen wir die Grenze nach Lettland und fahren weiter durch Laubwälder, zwischen den Bäumen blitzt immer wieder das baltische Meer hervor. Als wir in Riga im Hostel einchecken, finden wir zwei verschlafene Schweden in unserem Zimmer vor. Es sind Mattias und Simon, mit denen wir damals Turkmenistan und Usbekistan gemeinsam bewältigt haben. Immer wieder haben wir unsere Routen verglichen, um zu schauen, ob sich unsere Wege nochmals kreuzen werden. Nachdem wir uns in Usbekistan trennten, sind die Jungs im Pajero weiter nach Tadschikistan gefahren. Auf dem Weg zum Pamir Highway wurden sie jedoch durch eine verschüttete Straße aufgehalten. Wir hatten in der Zwischenzeit Kirgistan passiert und waren schon in Kasachstan, der Abstand wurde immer größer. Dann gaben die 80 Oktan des Benzins dem Pajero den Rest. Mit einem irreparablen Motorschaden mussten die Jungs den Pajero verschrotten lassen und einen Flug Richtung Heimat nehmen. So sehen wir uns nach ziemlich genau einem Monat wieder und feiern abends heftig unser Wiedersehen.

Niko in Estland / Niko in Estonia
Niko in Estland / Niko in Estonia

16. August 2015 – Erst spät kommen wir aus den Betten und machen uns auf den Weg Riga anzuschauen. Als alte Hansestadt hat Riga eine gut erhaltene Altstadt mit wunderschönen Jugendstilbauten. Die Schweden werden am nächsten Morgen nach Hause fliegen und so feiern wir abends heftig unseren Abschied. Nach einigen Bars und geschätzten 50 Karaoke-Liedern hätte der Abend gut zu Ende gehen können, doch leider kommt es anders. Zwei weniger gut gelaunte Kerle mit Glatze suchen offensichtlich eine Auseinandersetzung mit uns. Sie folgen uns von der Bar auf die Straße und werden deutlich aggressiver. Aus dem Nichts fliegt Caspar eine Faust ins Gesicht und streckt ihn nieder. Jacob schafft es zumindest einem der Jungs ein paar Andenken mitzugeben. Dann ist auch schon die Polizei da und nimmt die zwei in Gewahrsam. Im Krankenwagen geht es ins Krankenhaus, wo Caspar genäht werden muss. Nach all den fremden Ländern die hinter uns liegen, machen wir die erste negative Erfahrung hier in Europa.

Riga bei Nacht / Riga at night
Riga bei Nacht / Riga at night

17. August 2015 – Die Schweden machen sich relativ früh auf den Weg um ihren Flug nach Hause zu erwischen. Wir bleiben noch etwas länger in den Betten liegen und schlafen aus. Am späten Mittag machen wir uns auf den Weg Richtung Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Die Grenze ist schnell erreicht. Landschaften und Siedlungen im größten der baltischen Staaten sehen etwas ärmlicher aus als in Estland und Lettland. Die Getreideernte ist mitten im Gange und wir fühlen uns Breill ganz nah. Spät nachmittgas kommen wir in Vilnius an und checken im Jamaika Hostel ein, der nette Betreiber drückt uns zur Begrüßung erst einmal ein Bier in die Hand. Nach zwei ausgiebigen Nächten in Riga geht es heute wieder früher ins Bett.

Auf nach Litauen / Reaching Lithuania
Auf nach Litauen / Reaching Lithuania

18. August 2015 – Etwas später machen wir uns auf um die Stadt zu erkunden. Gleiches Ritual wie immer, einmal durch die Altstadt laufen und bei einer lokal anmutenden Touristenfalle etwas essen. Die Altstadt ist eine der größten Osteuropas und geprägt durch zahlreiche Kirchen und barocke Bauwerke, welche ab dem 16 Jahrhundert von italienischen Baumeistern errichtet wurden. Wir steigen einmal auf den Gediminas Turm, der einzig erhaltene Eckturm einer ehemaligen Burganlage und heutiges Wahrzeichen Vilnius. Von dort hat man einen Rundumblick auf die Stadt und den Fluss Vilnia, welcher die Altstadt von moderneren Komplexen und Gebäuden zu trennen scheint. Nach einer großartigen Pizza gehen wir früh ins Bett.

Harter Typ / Cool dude
Harter Typ / Cool dude

14th August 2015 – Today we look a bit around in Tallinn. Tallinn is a city founded in early medieval times, which nowadays still has a medieval charm. By now the former city walls with their entrance gates lie in a pedestrian zone in the centre of the city. Many old houses have survived and line up to small alleyways leading up to Domberg. On top of Domberg stands the Russian-orthodox Alexander-Newski cathedral, a remnant of the earlier affiliation to the Tsarist empire. We find a restaurant that catapults us straight back to medieval times. Dressed up waiters serve beer in clay jugs and royal roast venison. After that we return to the hostel and go to bed early.

Tallinn Altstadt / Tallinn old city
Tallinn Altstadt / Tallinn old city

15th August 2015 – In spite of the manageable length of todays route we strike off to Riga early in the morning. Tallinn seems to be still asleep when we leave the city. In the morning mist a country road leads us through little mixed forests and green grasslands steadily in southern direction. After 130 kilometres we take a break in Pärnu, a city at the coast of the Baltic sea. Here the ORC European Championship in sailing takes place in these days. We enter the sailing area and take seats in one of the cafes that have been erected here. Right then as always with a wide grin Niko, a friend of Caspar from St. Gallen, enters the scene. He has followed our journey and got hold of us in time before we leave Estonia. We spend a relaxed morning in the middle of the preparations for the next regatta. Then Niko sets out to complete the German team and we too get back on the street. Quickly we reach the border to Latvia and continue riding through deciduous forests, every then and now the Baltic Sea flares up between the trees. When we check into a hostel in Riga we find two sleepy Swedes in our room. They are Mattias and Simon, with whom we have tackled together Turkmenistan and Uzbekistan at the time. Again and again we have compared our routes to see weather our paths would cross another time. After splitting up in Uzbekistan the boys in the Pajero have continued to Tajikistan. On the way to Pamir however a buried road has held them back. In the meantime we had passed Kirgizstan and were already in Kazakhstan, the distance became greater and greater. Then the 80 octane of the fuel gave the Pajero its end. With a non-repairable engine failure the boys had to scrap the car and take a flight in homeward direction. So we meet again after exactly one month and celebrate extensively our reunion in the evening.

Auf gute alte Zeiten / To good old times
Auf gute alte Zeiten / To good old times

16th August 2015 – It is late when we manage to get out of bed and make our way to explore Riga. Riga is an old Hanseatic city and has a well preserved old town with beautiful art nouveau buildings. The Swedish guys have to fly home tomorrow and therefore we extensively celebrate goodbye. After a couple of bars and an estimated 50 karaoke songs, this evening could have ended well, however, unfortunately things come differently. Two less cheerful guys with bald heads obviously look for a confrontation with us. They follow us from a bar onto the street and become clearly more aggressive. Out of nowhere a fist hits Caspar in his face and strikes him down. Jacob at least manages to deal out some souvenirs. Then police arrives and takes the two guys into custody. In an ambulance Caspar is driven off to a hospital, where he is stitched up. After all those unknown countries lying behind us, we make our first negative experience here in Europe.

Auf bald / See you soon
Auf bald / See you soon

17th August 2015 – The Swedish guys have to leave quite early to catch their flight back home. We, in contrast, stay a little bit longer in our beds and sleep in. Late noon we start making our way to Vilnius, capital of Lithuania. We quickly reach the border. Sceneries and settlements of the largest of the Baltic states look somewhat poorer than in Estonia and Latvia. Grain harvest is in full progress, which makes us feel close to Breill. Late in the afternoon we reach Vilnius and check into Jamaika Hostel, where the nice owner first hands us two beer. After two good long nights in Riga, we go to bed early today.

An der Grenze / At the border
An der Grenze / At the border

18th August 2015 – A little later than usual we make our way to explore the city. Same procedure as always, we walk through the old town and eat something at a seemingly local tourist trap. The old town is one of the largest in Eastern Europe and is characterized by numerous churches and baroque buildings, which have been built by Italian architects in the 16th century. We climb up the Gediminas tower, the only remaining tower of a former castle complex and today a symbol of Vilnius. From there you have a panorama view on the city and the river Vilnia, which seems to divide the old town from modern buildings. After a great pizza we go to bed early.

Altstadt Vilnius / Old city Vilnius
Altstadt Vilnius / Old city Vilnius

City of Tsars!

12. August 2015 – Heute erkunden wir St. Petersburg. Als erstes fahren wir mit einem Tragflügelboot über die Newa raus auf den Finnischen Meerbusen zum Schloss Peterhof. Das Schloss wurde 1914 von Peter I errichtet und stellt heute alle anderen europäischen Paläste und Anlagen mühelos in den Schatten. Ein 400 Meter langer Kanal führt von der Ostsee über eine große Kaskade zum gelb getünchten Hauptpalast. In der Sonne glänzen und blitzen die 255 vergoldete Bronzeskulpturen und Basreliefs, welche die sieben-stufige Kaskade schmücken. In der Mitte steht die Figur von Samson, der dem Löwen das Maul aufreißt, Symbol des Sieges bei Poltawa über die Schweden. Der ganze Park ist von kunstvollen Wasserspielen, Brunnen und Fontänen durchzogen. Im Schloss befinden sich prächtige Paradezimmer, barock bis asiatisch geschmückt und eingerichtet. Nachdem wir Park und Paläste angeschaut haben, fahren wir mit dem Schiff wieder zurück nach St. Petersburg und schauen uns den Winterpalast an. Er beherbergt heute das Ermitage, eines der berühmtesten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Der zart türkise, rechteckige Bau mit großem Innenhof gilt als einer der Prunkstücke des russischen Barocks. Nur schwer kann man sich vorstellen, wie hier am Blutsonntag 1905 hunderte Demonstranten von russischen Soldaten erschossen wurden. Abends treffen wir Liza, eine Freundin von Chiara, die uns St. Petersburg bei Nacht zeigt. Im Regen glänzt die ganze Stadt, in den Kanälen und Flüssen spiegeln sich Häuser und andere Bauten wieder. Nach Stroganoff Steaks ziehen wir weiter in eine Bar. Die Nacht wird allerdings nicht allzu lang, da die Brücken von 1.30 Uhr bis 5.00 Uhr hochgezogen werden und alle sich beeilen, möglichst vorher das letzte Taxi zu erwischen.

Schloss Peterhof / Peterhof Palace
Schloss Peterhof / Peterhof Palace

13. August 2015 – Wir schlafen etwas länger und packen dann unsere Sachen zusammen. Bei BMW wollen wir unsere Reifen wechseln lassen um dann wieder auf Straßenreifen durch Europa weiterzufahren. Da wir erst für den Mittag einen Termin kriegen verläuft der Morgen entspannt und ohne Eile. Bei BMW treffen wir Pavel, den Gewinner der letztjährigen GS Trophy, der sich um unsere Maschinen kümmert. Spät nachmittags fahren wir los Richtung Baltikum. Die Grenze Estlands ist schnell erreicht, doch an der Grenze erwarten uns lange Schlangen von Autos und Lastwagen. Wie gewohnt fahren wir mit unseren Motorrädern selbstverständlich an allen Fahrzeugen vorbei und reihen uns als Touristen ganz vorne ein. Doch schnell müssen wir erkennen, dass man hier weder als Tourist, noch als Motorradfahrer etwas besonderes mehr ist. Von einer alten, russischen Grenzpolizisten donnert eine wütende Tirade auf uns herab. Nach mehreren ‚net russkie’ unsererseits, versucht man uns auf englisch klarzumachen, dass wir ans Ende der Schlange fahren sollen. Nach einigen ‚no english’ lässt man uns dann doch mürrisch durch das Grenztor fahren. In Estland sind wir froh, die letzte kontrollierte Grenze unserer Tour hinter uns gelassen zu haben. In der Abenddämmerung fahren wir nach Tallinn und haben sofort das Gefühl Mitteleuropa erreicht zu haben. Allerdings kommt auch das Gefühl auf, das eigentliche Abenteuer nun hinter uns gelassen zu haben.

Richtung Baltikum / Heading for the Baltics
Richtung Baltikum / Heading for the Baltics

12th August 2015 – Today we explore St. Petersburg. First we take a hydrofoil boat along the Newa that takes us out of the Gulf of Finland to Peterhof Palace. The palace was built in 1914 by Peter I and easily outshines all European palaces and castles. A canal of 400 meters leads from the Baltic Sea through a huge cascade to the yellow washed main palace. The 225 gold-plated bronze sculptures and bas-reliefs glitter and sparkle in the sun while adorning the seven-stepped cascade. A figure of Samson tearing up the jaws of a lion is placed in the middle, a symbol for the victory against the Swedes at Poltawa. Artistic water games, fountains and jets of water decorate the whole park. Magnificent parade rooms decorated and furnished in a baroque to Asian style lie within the palace. After having seen park and palace we take the boat back to St. Petersburg and visit the Winter Palace. Today it houses the Hermitage, one of the most known and important art museums in the world. The rectangular building with a large courtyard in gentle turquoise ranks as showpiece of Russian baroque. It is hard to imagine how hundreds of demonstrators where shot here by the Russian army on bloody Sunday in 1905. In the evening we meet Liza, a friend of Chiara, who shows us St. Petersburg at night. The whole city glooms in the rain, canals and rivers mirror houses and other buildings. After a beef stroganoff we move on to a bar. The night however finishes early as the bridges are lifted from 1.30 a.m. to 5.00 a.m. and everyone rushes to catch a cab before.

Winterpalast / Winter Palace
Winterpalast / Winter Palace

13th August 2015 – We sleep in a little bit longer and pack up our things. At BMW we want to change our tires in order to drive through Europe on street tires. As we only get an appointment at noon, we have a relaxed morning without haste. At BMW we meet Pavel, last year’s winner of the GS Trophy, who takes care of our machines. Late in the afternoon we start driving towards the Baltic States. We quickly reach the border to Estonia. There, however, long cues of cars and trucks await us. As usual, we naturally drive past the queue on our motorbikes and as tourists we line up right in the front. Quickly we realise that neither tourists nor motorcyclists are anything special anymore. An old Russian woman from the border police gives us an angry shout. After a couple of ‘net russkie’ from our side, they try to explain us in English that we have to go back to the end of the queue. After a couple of ‘no English’ they grumpily let us pass through the border gate. In Estonia we are happy to have left the last controlled border behind us. In the dusk we drive to Tallinn and immediately feel to have reached Middle Europe. However, we also feel to have left the true adventure behind us.

Richtung Baltikum / Heading to the Baltics
Richtung Baltikum / Heading for the Baltics